Die Verdauung findet beim Menschen vor allem im Mund, Magen, Zwölffingerdarm und Dünndarm statt. Die Nährstoffe werden hauptsächlich im Dünndarm und Zwölffingerdarm aufgenommen. Bei der Verdauung kann es aber auch zu unangenehmen Nebenwirkungen wie Blähungen, Verstopfung oder Durchfall kommen. Lesen Sie hier welche Ursachen dafür verantwortlich sein können und wie eine entsprechende Therapie aussehen kann.
1. Blähungen
Es ist normal etwas Luft im Darm zu haben und diese über den After zu „entlassen“. Die tägliche Gasausscheidung ist individuell verschieden und liegt zwischen 0,5 und 2 Litern. Blähungen, die ohne weitere Beschwerden (z. B. Durchfall, Bauchschmerzen, Erbrechen, Übelkeit) auftreten, haben keinen Krankheitswert und verschwinden häufig ganz von allein.
Ursachen für übermäßige Blähungen können sein:
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Aufnahme von lufthältigen Nahrungsmitteln (Softeis, Sprühsahne, kohlensäurereiche Getränke)
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Luftschlucken während des Essens (v. a. bei hektischer Nahrungsaufnahme)
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blähende Lebensmittel wie rohes Obst und Gemüse, Vollkorngetreide, Kaffee sowie Nahrungsmittelzusätze
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Nahrungsbestandteile wie Frucht- oder Milchzucker
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zu ballaststoffreiche Ernährung
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Verdauungsstörungen (Mangel an Verdauungsenzymen, Funktionsstörungen der Bauchspeicheldrüse, Erkrankungen der Galle, Infektionen des Magen-Darm-Traktes, Magenerkrankungen)
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gestörte Darmflora beispielsweise nach einer Antibiotika-Behandlung sowie
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Zu langes Sitzen und veränderter Luftdruck bei Flugreisen.
Was tun bei Blähungen?
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Treten Blähungen im Zuge von anderen Beschwerden auf (z. B. Reizdarm/Reizmagen, Nahrungsmittelallergie bzw. –unverträglichkeiten, Verstopfung, Herzschwäche, Bauchfellentzündung, Nebenwirkung von Medikamenten) so wird die Grundkrankheit therapiert. Ansonsten helfen Präparate mit Simethicon und/oder Verdauungsenzymen oder Tees mit Kümmel, Anis, Fenchel, Melisse, Kamille und Pfefferminz die Blähungen zu lindern.
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Bevorzugen Sie leicht verdauliche Gerichte(z. B. gegartes Gemüse) und meiden Sie Hülsenfrüchte, Kaffe, Vollkornbrot, scharfe Speisen, unreifes Obst oder Gemüse, zu ballaststoffreiches Essen, blähendes Gemüse wie Kohl und Zwiebeln, Rosinen, frisches Brot, Fettgebackenes, Nüsse, kohlensäurehatige Geränke und eiskalte Speisen.
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Nehmen Sie das Essen stressfrei ein und achten Sie darauf, dass die Speisen ausreichend gekaut werden. Es ist ratsam mehrere kleinere Mahlzeiten über den Tag verteilt zu essen.
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Bewegen Sie sich ausreichend. Bewegung – vom Verdauungsspaziergang bis Ausdauersport – bringt den Darm in Schwung
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Eine Wärmflasche auf dem Bauch oder Bauchmassagen im Uhrzeigersinn z. B. mit speziellen Ölen aus der Apotheke können Linderung verschaffen.
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Tragen Sie weite und gemütliche Kleidung.
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Holen Sie ärztlichen Rat ein, wenn starke Schmerzen oder heftige Krämpfe auftreten, die Ursachen für die Beschwerden unklar sind und lang anhalten, bei Völlegefühl auf nüchternen Magen und wenn Appetitlosigkeit auftritt, die mit großem Gewichtsverlust verbunden ist.
2. Durchfall (Diarrhoe)
Per Definition handelt es sich bei Durchfall um die häufige und zu schnelle Entleerung von breiigem bis flüssigem Stuhl, der je nach Ursache auch mit Schleim, Eiter oder Blut vermengt sein kann. Dauert der Durchfall länger als 4 Wochen, so wird er als chronisch bezeichnet.
Vor allem für Kinder und ältere Menschen kann Durchfall schnell gefährlich werden, da der Körper viel Flüssigkeit verliert. Kommt dann auch noch Erbrechen dazu, so kann die Situation benensbedrohlich werden. Suchen dann sofort Ihre/n Arzt/Ärztin auf.
Diarrhoe kann mehrere Ursachen haben:
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Virale (z. B. Rotavirus) oder bakterielle Infektionen (z. B. E. Coli, Salmonellen, Shigellen, Listerien, Campylobakter pylorii)
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Angst, Stress und Nervosität
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bestimmte Medikamente
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Nahrungsmittelallergien oder –unverträglichkeiten
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Parasiten (z. B. Würmer, Amöbenruhr)
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Reizdarm
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übermäßiger Alkoholgenuss
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übermäßiges Kaugummikauen oder Verzehr anderer zuckerfreier oder mit „Zuckeraustauschstoffen“ versetzter Genussmittel.
Was tun bei Durchfall?
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Manchmal ist es gut ein Medikament umgehend einzunehmen. Manchmal sollte man damit warten, bis Schadstoffe/Keime ausgeschieden wurden. Bei starkem Durchfall ist ein/e Arzt/Ärztin aufzusuchen.
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Trinken Sie ausreichend und gleichen Sie den Salzverlust z. B durch Elektrolyt-Gemische aus der Apotheke aus. Im Notfall hilft auch 1 Liter abgekochtes Wasser + 5 gestrichene Esslöffel Traubenzucker + 1,5 Teelöffel Kochsalz + 1 Glas 100%iger Fruchtsaft.
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Trinken Sie bei leichtem Durchfall stilles Wasser und Magen-Darm-Tee
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Machen Sie ein Kur mit Medizinischer Kohle. Diese bindet die Schadstoffe und Erreger.
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Essen Sie „stopfende“ Nachrungsmittel, wie rohe, feingeriebene Äpfel (samt Schale), zerdrückte Banane, Reis- oder Haferschleim (mit Salz und eventuell Kümmel gewürzt), gekochte Karotten sowie getrocknete Heidelbeeren.
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Vermeiden Sie schwer verdauliche Lebensmittel wie z. B. fettreiche Speisen und Saucen (Pommes, Mayonnaise, Backwaren, Käse), stark gewürzte Gerichte, Geräuchertes, scharf angebratenes Fleisch, hartgekochte Eier, Hülsenfrüchte, Kohlgemüse, diverse rohe Salate, rohes Stein- oder Kernobst sowie Zucker (Ausnahme: Traubenzucker).
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Ist der Durchfall vorbei, steigen Sie langsam wieder mitSchonkost ein und steigern Sie jeden Tag die Nahrung bis Sie wieder zur Normalkost zurückkehren.
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Antibiotika vermindern vor allem Bifidobakterien, Bacteroides- und Laktobazillen. Parallel dazu kommt es meist zu einem Anstieg von Candida-Pilzen. Aus diesem Grund ist es von enormer Bedeutung im Zuge einer Antibiotika-Therapie die Darmflora gleichsam wieder aufzubauen.
3. Verstopfung (Obstipation)
Die Verstopfung ist durch eine zu lange Verweildauer des Stuhls im Darm, eine zu hohe Konsistenz des Stuhls, ein geringes Stuhlvolumen sowie Probleme beim Stuhlgang gekennzeichnet. Die Obstipation ist zumeist begleitet von Blähungen, Kotsteinen, Unwohlsein und Bauchschmerzen.
Die akute Verstopfung, als deren Ursachen v a. Ernährungsumstellung bei Reisen, Bettlägrigkeit, Beschwerden im Afterbereich (z. B. Dammeinriss, Hämorrhoiden), Darmverschluss, bestimmte Medikamente, hormonelle Veränderungen zu nennen sind, tritt plötzlich auf.
Die chronische Stuhlverstopfung dauert länger als 14 Tage an und die Beschwerden kehren immer wieder. Sie ist in den westlichen Industrieländern sehr weit verbreitet. Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer.
Als Ursachen sind unter anderem zu nennen:
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ungenügende Aufnahme von Flüssigkeit und Ballaststoffen
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mangelnde Bewegung
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häufige Einnahme von Abführmitteln
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Unterdrückung des Stuhlganges (z. B. aus Zeitmangel)
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Magen-Darm-Erkrankungen
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Schilddrüsenunterfunktion
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Nierenfunktionsstörungen
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Multiple Sklerose
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Parkinsonsche Krankheit
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fieberhafte Infekte
Behandlungsmaßnahmen und Tipps
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Nehmen Sie ausreichend Flüssigkeit auf.
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Ernähren Sie sich ballaststoffreich mit Leinsamen, Weizenkleie, Obst- und Gemüse und Vollwertgetreideprodukten.
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Meiden Sie stopfende Lebensmittel wie Bananen oder Schokolade.
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1-3 Teelöffel Pflaumen- oder Feigenmus täglich sowie 1–2 Esslöffel Weizenkleie morgens unter das Joghurt gemischt, bringen den Darm wieder in Schwung.
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Milchzucker kann harten Stuhl aufweichen (Achtung: kann auch Blähungen verursachen).
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Probiotika fördern den Aufbau der Darmflora und verbessern so die Darmtätigkeit.
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Bewegen Sie sich mehrmals am Tag ausgiebig.
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Wenden Sie eine Bauchmassage mit Spezialöl an. Kreisen Sie dabei im Urzeigersinn um den Bauchnabel.
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Gönnen Sie sich Auszeiten und essen Sie bewusst und regelmäßig.
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Entspannen Sie bei Yoga, autogenem Training oder Mediation.
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Bei harten Kotballen im Enddarm ist ein Einlauf zu empfehlen.
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Die Einnahme von Abführmittel bringt nur kurzfristig Erfolg und kann bei Dauergebrauch Folgeschäden verursachen. Nehmen Sie diese nur unter Aufsicht eines Arztes/Ärztin ein.
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Bei langanhaltenden Beschwerden oder Blut sowie Schleim auf dem bzw. im Stuhl kontaktieren Sie Ihren Arzt/Ärztin.
